ISIN - Internationale Wertpapierkennnummer
Die ISIN ist ein zwölfstelliger Code, der jede Wertpapiergattung weltweit eindeutig bezeichnet, etwa AT0000652011 für die Aktie der Erste Group. Sie folgt der internationalen Norm ISO 6166 und ist in Österreich seit 22. April 2003 die maßgebliche Kennnummer für Wertpapiere. Vergeben wird sie hierzulande von der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB). Für Anleger ist sie der verlässlichste Weg, ein Papier zu identifizieren: Name und Kürzel können sich ähneln, die ISIN nicht.
Aufbau der ISIN
Jede ISIN besteht aus zwölf alphanumerischen Zeichen in drei Teilen:
| Teil | Stellen | Bedeutung | Beispiel AT0000652011 |
|---|---|---|---|
| Ländercode | 1-2 | Zweistelliger Code nach ISO 3166 für das Land der vergebenden Stelle | AT |
| Basisnummer | 3-11 | Neunstellige Nummer, deren Aufbau die nationale Vergabestelle festlegt | 000065201 |
| Prüfziffer | 12 | Errechnet aus den ersten elf Zeichen, fängt Tippfehler ab | 1 |
Der Ländercode verrät nicht zwingend den Sitz des Emittenten. Nach den Grundsätzen der Vergabestellen werden Aktien im Sitzstaat des Emittenten nummeriert, Schuldtitel dagegen nach dem Ort des Zentralverwahrers, bei dem sie hinterlegt sind. Eine Anleihe eines österreichischen Unternehmens kann daher auch einen ausländischen Ländercode tragen.
Die Prüfziffer Schritt für Schritt
Die zwölfte Stelle wird nach dem Verfahren modulus 10 double-add-double berechnet, einer Variante des Luhn-Algorithmus, wie er auch bei Kreditkartennummern verwendet wird. Am Beispiel der Erste-Group-Aktie:
- Buchstaben umwandeln: Jeder Buchstabe wird durch eine Zahl ersetzt, A = 10, B = 11 bis Z = 35. Aus A wird 10, aus T wird 29. Die ersten elf Zeichen AT000065201 ergeben so die Ziffernfolge 1029000065201.
- Jede zweite Ziffer verdoppeln: Von rechts beginnend wird die erste, dritte, fünfte Ziffer usw. verdoppelt. Bei zweistelligen Ergebnissen zählt die Quersumme: aus 6 wird 12, also 3.
- Alle Ziffern addieren: 2 + 0 + 4 + 5 + 3 + 0 + 0 + 0 + 0 + 9 + 4 + 0 + 2 = 29.
- Auf den nächsten Zehner ergänzen: Von 29 bis 30 fehlt 1. Die Prüfziffer ist 1, die vollständige ISIN lautet AT0000652011.
Vertauscht jemand beim Abtippen zwei Ziffern oder gibt eine falsch ein, stimmt die Prüfziffer in aller Regel nicht mehr. Handelssysteme und Depotbanken weisen solche Eingaben deshalb sofort zurück.
Vergabe in Österreich
In Österreich werden ISINs von der OeKB vergeben. Die Aufgabe reicht bis 1965 zurück, als die OeKB mit der Gründung der Wertpapiersammelbank auch die Verantwortung für die Vergabe von Wertpapierkennnummern übernahm. Heute ist die OeKB Teil des internationalen Netzes nationaler Vergabestellen (National Numbering Agencies), die in der Association of National Numbering Agencies (ANNA) zusammenarbeiten. Die ANNA koordiniert die Vergabe weltweit.
Antragsberechtigt sind Emittenten, deren Bevollmächtigte und Banken. Der Antrag läuft über die Webanwendung ISIN Services auf der Kundenplattform der OeKB oder über eine XML-Schnittstelle, nach einmaliger Registrierung. Bei Fonds ist zusätzlich ein Fondsstammdatenblatt einzureichen. Zu jeder ISIN vergibt die OeKB kostenlos einen CFI-Code nach ISO 10962, der die Art des Finanzinstruments beschreibt, und einen FISN nach ISO 18774, eine genormte Kurzbezeichnung.
Das Preisblatt der OeKB nennt ab 1. Jänner 2026 folgende Entgelte, jeweils exklusive Umsatzsteuer:
| Leistung | Preis |
|---|---|
| Fortlaufend vergebene ISIN | unentgeltlich |
| Wunsch-ISIN (Basisnummer frei gewählt) | 2.000 Euro |
| Fast Lane (Vergabe binnen einer Stunde) | 500 Euro je ISIN bzw. Antrag |
| Zusätzliche deutsche WKN | 100 Euro je ISIN |
| Anlage eines neuen Emittenten | 250 Euro |
| Storno | 250 Euro |
| Blockreservierung 10 / 50 / 100 / 200 ISINs | 500 / 1.360 / 2.000 / 2.640 Euro |
| Zuschlag für Antrag per E-Mail | 600 Euro je ISIN |
ISIN und Wertpapierkennnummer (WKN)
Vor der ISIN verwendete Österreich für ausländische Wertpapiere das deutsche System der sechsstelligen numerischen Wertpapierkennnummern. In Deutschland drohten diese Nummern auszugehen, deshalb stellte man dort um. Österreich zog mit: Laut OeKB erfolgte die Umstellung auf die ISIN parallel zum deutschen Markt am 22. April 2003. Im selben Jahr wurde die ISIN auch in Frankreich, den Niederlanden und Belgien zum primären Code.
Die deutsche WKN existiert weiter und wird im deutschen Handel noch häufig angezeigt. Für österreichische Emittenten beantragt die OeKB sie auf Wunsch bei WM Datenservice mit. Rechtlich und im Wertpapierverkehr zwischen Banken ist aber die ISIN maßgeblich.
Gattung statt Einzelstück
Die ISIN bezeichnet keine einzelne Urkunde, sondern eine Wertpapiergattung: alle Stücke mit gleicher Ausstattung desselben Emittenten. Alle Aktien der Erste Group, die im Umlauf sind, tragen dieselbe ISIN. Gerade das macht die Sammelverwahrung möglich. Die Papiere einer Gattung sind austauschbar, der Anleger hält einen Miteigentumsanteil am Sammelbestand, und sein Depotauszug weist die Position nach ISIN und Stückzahl aus. Die OeKB CSD eröffnet für jede in einer Globalurkunde verbriefte Emission einen eigenen Sammelbestand unter dieser ISIN.
Unterscheiden sich Papiere desselben Emittenten in ihren Rechten, bekommen sie unterschiedliche ISINs: Stamm- und Vorzugsaktien ebenso wie jede einzelne Anleihe mit eigener Laufzeit und eigenem Zinssatz. Auch junge Aktien aus einer Kapitalerhöhung werden in der Praxis zunächst unter einer eigenen ISIN geführt, solange sie noch nicht dieselbe Dividendenberechtigung haben wie die alten.
Rechtliche Bedeutung der ISIN
Die ISIN ist eine technische Norm, das EU-Recht knüpft aber an mehreren Stellen ausdrücklich an sie an:
- Wertpapierprospekt: Die Zusammenfassung des Prospekts muss nach Art 7 Abs 5 lit a der Prospektverordnung (EU) 2017/1129 gleich in der Einleitung Bezeichnung und ISIN der Wertpapiere nennen. Ohne diese Angabe ist die Prospektpflicht nicht ordnungsgemäß erfüllt.
- Basisinformationsblatt: Nach Art 1 lit a der Delegierten Verordnung (EU) 2017/653 gehört die ISIN, sofern vorhanden, in den ersten Abschnitt des Basisinformationsblatts für verpackte Anlageprodukte (PRIIPs).
- Transaktionsmeldungen: Wertpapierfirmen melden ihre Geschäfte nach MiFIR an die Aufsicht. Die technischen Standards dazu (Delegierte Verordnung (EU) 2017/590) verlangen im Feld für das Instrument die ISIN nach ISO 6166.
- Aktionärsidentifikation: Will eine börsennotierte Gesellschaft ihre Aktionäre über die Kette der Depotbanken ermitteln, ist nach der Durchführungsverordnung (EU) 2018/1212 für jede ISIN eine eigene Anfrage zu stellen.
Auch die Aufsicht arbeitet mit der ISIN. Die FMA nennt sie in ihren Warnmeldungen zu verdächtigen Papieren, und die veröffentlichten Positionen nach den Regeln über den Leerverkauf lassen sich nach ISIN durchsuchen.
Wo Anleger die ISIN finden
Die ISIN steht auf dem Depotauszug, auf jeder Kauf- und Verkaufsabrechnung, im Basisinformationsblatt und im Prospekt. Bei Aktien nennen die Emittenten sie auf ihren Investor-Relations-Seiten, bei Fonds steht sie in den Fondsdokumenten. Beim Depotübertrag werden die zu übertragenden Positionen nach ISIN und Stückzahl angegeben.
Wer eine Order erteilt, sollte das Wertpapier über die ISIN auswählen und nicht nur über den Namen. Gerade bei Anleihen eines Emittenten mit vielen Emissionen oder bei Fonds mit mehreren Anteilsklassen unterscheiden sich die Papiere oft nur in der ISIN, nicht im Namen.
Hinweis: Allgemeine Information zur Rechtslage in Österreich, keine Rechtsberatung. Ob und wie eine Regel in Ihrem Fall greift, hängt von den konkreten Umständen ab - verbindlich klären kann das eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt. Maßgeblich ist stets die geltende Gesetzesfassung im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS).
Quellenangaben
- OeKB - ISIN-Vergabe
- OeKB - ISIN-Preisblatt, gültig ab 1. Jänner 2026 (PDF)
- OeKB - ISIN ersetzt ab Ostern bisherige Wertpapierkennnummer (15.04.2003)
- Association of National Numbering Agencies (ANNA) - FAQ
- ANNA - Implementation of revised ISO 6166
- Verordnung (EU) 2017/1129 (Prospektverordnung) - EUR-Lex
- Wiener Börse - Börsenlexikon: ISIN